Liebe Laufsportfreunde, 
die Zusammenbrüche einiger Volksläufer bei den diesjährigen Hitzeläufen in M-V 
(speziell beim Neubrandenburger Tollenseseelauf und beim Schweriner Fünf-Seen-Lauf), 
die in allen Fällen glimpflich abliefen, haben erneut Diskussionen 
um eine vernünftige Vorbereitung der Läufer und um die Festlegung 
läuferfreundlicher Startzeiten auch in unserem Bundesland entfacht.
Beides ist sicher wichtig.
Nach der Deutschen Leichtathletik-Ordnung (DLO Anhang 4) 
sollen Laufwettbewerbe unter 20 km in den Monaten Juni, Juli und August 
vormittags bis spätestens 10:00 Uhr und nachmittags frühestens nach 18.00 Uhr gestartet werden  
(für die Monate Mai und September gelten entsprechend 10:00 und 17:00 Uhr). 
Bei Läufen ab 20 km soll in allen 5 Monaten vormittags spätestens um 9:00 Uhr gestartet werden.
Wir sollten verstärkt darauf achten, dass diese Sollvorschrift auch weitestgehend eingehalten wird.
Beim diesjährigen Schweriner Fünf-Seen-Lauf wurden wegen der zu erwartenden Hitze 
die Startzeiten eine Stunde vorverlegt.
Das hat zwar ein paar Zusammenbrüche von Volksläufern beim Lauf und nach dem Lauf 
nicht verhindert, dürfte aber dennoch dazu beigetragen haben, 
noch schlimmere gesundheitliche Probleme zu vermeiden.
Das-Org-Komitee des Fünf-Seen-Laufs hat sich entschieden, diese früheren Startzeiten 
nun generell auch in den nächsten Jahren beizubehalten. Das ist sicher eine gute Entscheidung.

Ich halte jedoch ein vernünftiges Verhalten der Läufer in Vorbereitung und bei Absolvierung 
solcher Volksläufe zur Vermeidung gesundheitlicher Schäden noch für wichtiger.
Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, dass man nur dann an den Start geht, 
wenn man gesund und für den Lauf entsprechend trainiert ist. 
Leider mangelt es bei einigen Volksläufern, die möglicherweise 
sich und anderen etwas beweisen wollen, schon daran.
Noch gefährlicher ist das übermäßige Trinken von Wasser, Cola und anderen 
hypotonen Getränken vor und während des Laufs. 
Leider sind die Menschen in Deutschland (darunter auch die Läufer) 
in den letzten 20 Jahren durch unseriöse und unverantwortliche Werbung 
für übermäßiges Trinken stark beeinflusst und verunsichert worden, 
viele sind inzwischen wegen des vielen Trinkens schon "wassersüchtig" geworden.
Ich habe in den letzten Jahren versucht (wie auch einige seriöse Wissenschaftler und Laufexperten), 
gegen diesen gefährlichen Trend zu argumentieren; wegen der gewaltigen 
gegenteiligen Argumentationswelle war das jedoch kaum erfolgreich.
In letzter Zeit dreht sich jedoch die Argumentation, zumindest gibt es verstärkt 
dringenden Warnungen von nicht wenigen Sportwissenschaftlern und Laufexperten 
vor dem übermäßigen Trinken von Wasser, Cola und anderen hypotonen Getränken.
Auch Läufer sollten sich hinsichtlich der Flüssigkeitsaufnahme 
von ihrem Durstgefühl leiten lassen und übermäßiges Trinken unterlassen. 
Alle bisherigen Berichte in bunten Zeitungen, dass angeblich Läufer 
wegen Dehydrierung gestorben sind, haben sich als falsch herausgestellt. 
Das Gegenteil war der Fall; die Läufer hatten zu viel Wasser getrunken 
und waren in Folge dieser übermäßigen Wasseraufnahme gestorben (Hyponatriamie).

M.E. sollten unser Volksläufer vor allem folgende Hinweise für Starts bei Laufwettbewerben beachten:
1. Eine Teilnahme an Laufwettbewerben sollte nur dann in Betracht kommen, 
   wenn man gesund und für den Wettbewerb ausreichend trainiert ist.
2. Besonders bei Hitzebedingungen ist leichte, lockere und helle Laufbekleidung zu tragen. 
   Der Kopf ist möglichst kühl zu halten. Dazu trägt eine helle Kopfbedeckung bei, 
   die unmittelbar vor dem Lauf und nach Möglichkeit auch während des Laufs 
   mit kaltem Wasser befeuchtet wird.
3. Das übermäßige Trinken vor und während des Laufs ist zu unterlassen, 
   entscheidend für die Trinkmenge sollte das Durstgefühl sein.
4. Wer inzwischen durch Gewohnheit schon "trinksüchtig" ist, sollte versuchen, 
   seine Flüssigkeitszufuhr mittelfristig wieder auf einen normalen 
   vernünftigen Stand zu bringen. 
   Zumindest sollte er darauf achten, dass er bei übermäßigem Trinken 
   genügend Salz und andere wichtige Mineralien zu sich nimmt, 
   um eine Wasservergiftung zu vermeiden.
5. Wer nicht in der Lage ist, einen 10 km-Lauf auch bei Hitzebedingungen 
   ohne zwischenzeitliches Trinken zu überstehen, sollte zumindest in den 
   Sommermonaten auf Teilnahme an Laufwettbewerben ab dieser Streckenlänge verzichten.

Ich würde mich freuen, wenn unsere Lauffunktionäre und Übungsleiter in den Vereinen 
sowie die Veranstalter von Volksläufen mehr als bisher dazu beitragen, 
besonders die noch unerfahrenen Läufer/innen über die richtige und verantwortungsvolle 
persönliche Vorbereitung und Absolvierung von Laufwettbewerben zu informieren. 
Es ist zumindest auffallend, dass bisher bei längeren Läufen 
(z.B beim Halbmarathon oder Marathon) auch unter Hitzebedingungen 
kaum wesentliche gesundheitliche Beeinträchtigungen bei den Läufern festgestellt wurden; 
diese Probleme treten vor allem bei Läufen über kürzere Strecken (z.B. 10 km) auf. 
Das liegt eindeutig daran, dass auf den längeren Strecken im Allgemeinen 
die erfahrenen und gut trainierten Läufer/innen starten, 
auf den kürzeren Volkslaufstrecken aber zum großen Teil diejenigen, 
die gesundheitlich und vor allem trainingsmäßig nicht fit genug sind 
und bei denen die Anzahl der übermäßigen Wassertrinker besorgniserregend ist. 
 
Mit freundlichen Grüßen
Herbert Stromeyer