Wenn ich mal ein Fazit meiner prä-Achilles-Phase ziehen möchte, der ich immer noch endlos hinterhertrauere – was waren eigentlich die Höhe- und die Tiefpunkte?

 

Einen Sonderplatz belegt der Spätsommerlauf Kritzmow 2010. Immerhin war das der erste „richtige“ Wettkampf überhaupt. Auf den ersten paar Metern völlig verausgabt, so dass der Puls explodierte und eine längere Gehpause notwendig wurde. Da war der Pulk natürlich weg. Beim frustrierten Hinterherdackeln („wenigstens auf eigenen Füßen ankommen…“) sogar auf den letzten 500m noch wen überholt. Hurra, nicht der Letzte. Auf der Liste dann aber doch, da hatte wohl jemand nicht gefinished.

 

Ab da ging es ne Weile nur aufwärts, jedes Mal etwas schneller, woran man sich schnell gewöhnen kann.

 

-2011-

Highlight 1: ein unglaublicher 2. Platz 10km/M55 beim Dammer Eldelauf 2011. Erstmalig aber die Erfahrung gemacht, dass immer der Typ Sekunden vor einem (hätt ich das gewusst, hätt ich den auch noch gekriegt) ausgerechnet ein AK-Konkurrent ist.

Highlight 2: der Grevesmühlener Stadtlauf 2011 über 10,9 km. Ein packendes Spurt-Finale mit einem etwa gleichstarken Sportsfreund (der diesesmal abgehängt wurde). Aber als ich ihn danach in ein Gespräch darüber verwickeln wollte, störte ich ihn nur bei einer eindrucksvollen Kotzorgie.

Highlight 3: die Wasserschlacht während der Rostocker Marathonnacht hat sich wohl jedem Teilnehmer unvergesslich einge“brannt“. Das Schönste am Ende war selbstredend, das Handy aus der tropfenden Sporttasche zu fummeln und zu lesen „zu Hause steht der ganze Keller unter Wasser“. Und so komme ich zu meinem heutigen aktiv-Regenerationstipp: Einfach nach dem Lauf Wasser aus einem Kellergeschoß freier Wahl schaufeln, nach dem nächsten Regenguss das Ganze von vorne und nach 5 Stunden ganz ohne verspannte Waden und Schenkel zu einer passiven Regenerationsphase übergehen. Diese aber nicht zu weit ausdehnen. 

 

 

Highlight 4: Burgenlauf Stargard-Penzlin über 24km. Zwei Episoden machen diesen unvergesslich. Zunächst war, nachdem zum Vorbereitungspensum gerade mal 2 HM-Distanzen gehörten, exakt nach 21km die Luft erstmal weg. Und kein Verpflegungsstand mehr voraus. Mit fliegenden Fingern ein Dextro-Energen aus der Arschtasche gefummelt, im nicht mehr so eleganten Laufschritt die Verpackung abgepellt und … spratz, alles zerkrümelt und wech. Und dann schwebte wie eine Elfe Jana K. vorbei… Nun ja, gefinished wurde, und als Denkzettel einen abfallenden Zehnagel eingeheimst, der den vielen Bergabstrecken Tribut zollen musste.

Highlight 5: Der Ostseeküstenlauf Kühlungsborn über 10km. Ich konnte es nicht fassen, dass ich bei der Annäherung an die Zeitanzeige noch deutlich unter 47min lag, das gab noch mal Power für einen grandiosen Endspurt auf 46:28.

Später aber erfuhr ich dann, dass die Strecke etwas kürzer ist. Aber war ein guter Trick, um Motivation aufzubauen!

Highlight 6: Rügenbrückenlauf über 13km. Hatte nur die kurze Distanz gewählt, weil ich aus früheren Laufberichten Grausiges über den mörderischen Anstieg auf der Rügenbrücke herausgelesen hatte. Auf der Hinfahrt verfahren, verspätet,  und quasi mit dem Startschuss erst in die Aufstellung hineingehechtet. Dabei blieb es dann auch, ein irrsinniger schneller Run (für meine Verhältnisse), die Altersklasse voll stehen lassen mit 56:43. Und das Köstlichste zum Schluss: Schlendere so mit meiner funkelnden Finisher-Medaille Richtung Parkhaus, dem einlaufenden Restpulk entgegen, da höre ich einen Knirps sagen: „Papii, wieso geht der Onkel da, und die müssen alle noch laufen??“ – „ Da wird der Onkel wohl etwas schneller gewesen sein“, war die Antwort, die einen weniger gefestigten Charakter in irreparablen Größenwahn gestürzt hätte.

 

Damit wären wir beim ersten Tiefpunkt, dem Schneckenlauf Graal-Müritz. Eine schwere Enttäuschung. Einfach schlapp, von bleischweren Füßen (und Armen) überrascht. Der Puls aber war überhaupt nicht in Gang zu bekommen und nach der Ziellinie nicht höher als beim Verlassen eines durchschnittlichen Frisiersalons.

 

Dann endete das Jahr 2011 Schlag auf Schlag mit zwei unfasslichen Highlights, die ich mir beinahe nur durch schwere Fehler bei der Strecken- u./o. Zeitmessung erklären kann: Nikolauslauf Rostock = 13,6km in 59:32 und Silvesterlauf = 22km in 1:35:53.

Nun, der Tiefschlag beim Spendenlauf – 10km in 49:47, rückte dann alles wieder ein bisschen zurecht. Denn der war nicht auf die Kälte und Glätte zu schieben, sondern auf die wiedererwachte Schneckenlauf-Form.