Three Of Seven – 3.10.15

Durch nahezu undurchdringliche Nebelschwaden musste man sich durchkämpfen, um sich heute zum Austragungsort des Nationalparklaufs Prerow durchzukämpfen. Wobei man einige Gelegenheit hatte, tollkühne Verkehrsteilnehmer zu bewundern, welche beinahe unsichtbar ohne Beleuchtung dahinglitten.

Am Ort des Ereignisses angekommen, war ein baldiges Durchbrechen der Sonne abzusehen so dass schließlich das beste Laufwetter aller Zeiten zur Verfügung stand.
Das Teilnehmerfeld war wie immer recht übersichtlich, was aber der Stimmung keinen Abbruch tat. Der Moderator, welcher überflüssigerweise auch darauf hinwies, dass er breiter als hoch sei, betonte den Genusscharakter des Laufes, und dass es nicht auf Bestzeiten ankomme.
Aber manch einer zieht ja gerade daraus seinen Genuss…

Zu Beginn gab es den ca-500m-Bambini-Lauf, trotz der gerade mal 7 TeilnehmerInnen ein herausragender Höhepunkt. Jeder durfte vor Beginn seinen Namen+Alter ansagen, was die 9- bis 4-(!)-jährigen auch einigermaßen hinkriegten. Die jüngste aber brachte gerade mal ein „. . . drei“ (!!) heraus. Wurde zwar diesmal noch knapp Letzte, aber die Strecke durch wirklich tiefen, schwergängigen Strandsand hatte es auch in sich und es war noch Power für den Endspurt da. Lilli - ein allgemein bejubeltes, kommendes Talent…

Gleich im Anschluss dann durften die „Großen“ los, um sofort zu Beginn auch mal  den Strandsand zu schmecken. Ein schöner Wadentöter! Für die Halbmarathonis entschärft durch die Erkenntnis, dass man es zunächst ruhig angehen und die hastigen Zehnis erst mal ziehen lassen konnte. Ich ließ mich am Ende des Pulks eine Weile schön mitziehen, stellte aber erfreut eine in letzter Zeit eher seltene Leichtfüßigkeit fest. Und Ablenkung tut immer gut, besonders hilft es, sich schon mal griffige Formulierungen für den zu schreibenden Bericht auszudenken. So verging die erste 10,5km-Runde ziemlich schnell. Die Strecke ist sehr schön und mit allerlei Sand, Kies, Asphalt, Waldboden und Wurzelwerk sehr abwechslungsreich.
Manch Fliegenpilz am Wegesrand lädt zu einer kleinen Zwischenverpflegung ein.  Mit merklich reduzierter Athletenzahl ging es dann nochmal durch den Mörder-Sand, um die zweite Runde zu zelebrieren.
Ein deutlicher Ansporn bestand jetzt darin, den Sichtkontakt zu den Vorläufern nicht zu verlieren, um nicht beim möglichen Übersehen einer der Wegmarkierungen zum Irrläufer zu werden. Nachdem ich einen Teil des Pulks sehr schön aufrollen konnte, gab es dann doch zwei Barden, zu denen ich einfach nicht aufschließen konnte und immer in 10-20m-Abstand hinterherhechelte. Bis zum Schluss. Da dankten mir dann beide Züricher, dass ich ihnen zu einer Superzeit verholfen habe! Sie hatten nämlich sehr darauf geachtet, einen Mindestabstand zu dem bedrohlichen rückwärtigen Getrampel und Geröchel nicht zu unterschreiten. Vielleicht hatten sie ja von der im Nationalpark zahlreich beheimateten Ameisenlöwen-Population gehört und deren Gefahrenpotential überschätzt. Nun ja, mein zähes Ringen um Erhalt des Kontaktes führte auch zu etwas in der Nähe einer Superzeit. Das machte am Ende einen ziemlichen Genusscharakter aus! Dank zurück!
Da das Umkleidezelt direkt am Wasser stand, ersetzte für etliche Teilnehmer ein Sprung in diese köstliche Erfrischung für dieses Mal die Dusche. Und da hatte doch ein dick vermummter Strandspazierer die Stirn, zu fragen, wie weit wir jetzt noch schwimmen müßten! Der wähnte sich wohl als Zaungast eines Triathlons. Als ich sagte „Schweden“, kam dann doch der Schatten eines Zweifels auf… Kein Zweifel aber besteht für mich darin, dass das endlich mal wieder ein rundum gelungener Run war.

Gewiefte Leser werden sich jetzt aber fragen – wo bleibt der obligatorische Wermutstropfen, der Weltschmerz, der doch erst die Würze eines Laufberichtes darstellt?
Nun ja, für gesunden Pessimismus ist immer noch ein Plätzchen da: War das jetzt der Höhepunkt? Werde ich je wieder so gut sein? Oh mein Gott, oh mein Gott, oh mein Gott!


Apropos „Schweden“:
Am Wochenende des Kritzmower Spätsommerlaufes  war die Performance unseres Lauftreffs ja noch wesentlich höher als in dem entsprechenden Bericht verzeichnet!  Am 19.9.  brachten Doreen, Heike und Uwe das Pflaster von Oslo auf einer Länge von 10km zum Glühen! Lauftreff rulezz!