Das Rätsel des Inselseelaufes

Nach langer Achillopause und einigen halbwegs gelungenen 10km-Aktionen gelüstete es den Achillopterix mal wieder nach einer etwas größeren Herausforderung. Und schon war er in der Meldeliste für die 20km drin. Eine Tatsache, die er einige Zeit später bereuen sollte.
Schon die Anfahrt war eine überdurchschnittliche Herausforderung:
Ein Umleitungsschild übersehen und schon in der gesperrten Sackgasse vor Güstrow steckengeblieben.
Sodann entpuppte sich die von der Veranstaltungsseite vertrauensselig abgetippte Adresse als üble Falle: der Parkplatz, wo man gelegentlich zum Osterlauf startet.
Wenigstens gabs dann an der Oase keine üble Warterei mehr - Startnummer geschnappt (passend zur Herausforderung die 200) und ziemlich bald ging es los. Angesichts der rekordverdächtigen Hitze sehr knapp und luftig gekleidet - was sich später bitter rächen sollte.
Während der Weg bis zur Wendemarke sich relativ entspannt absolvieren ließ, wurden die letzen km wirklich arg lang und länger - physikalisch kein Wunder bei den rasant steigenden Temperaturen.
Genaugenommen bin ich nach keinem Lauf je so fertig gewesen wie nach diesem. Obwohl es nicht der längste und auch nicht der schnellste ever war. Immerhin reichte es zum 2. in der relativ gut besetzten M60.
Zum Glück war die Siegerehrung erst eine Stunde später - vorher wäre es mir nicht möglich gewesen, auf das Treppchen zu kraxeln ohne gleich wieder runterzufallen.
Beim Duschen dann setzte das zunächst wenig beachtete Mysterium ein - ein kleines rotes Mal an der rechten Bauchseite.
Beim nächsten Hinsehen einige Zeit später hatte es sich zu einem gefährlich aussehenden schwärenden Gebilde fortentwickelt. Da setzte dann doch das wissenschaftliche Interesse ein - aber Google half da nicht weiter. Auch das pathologische Handbuch nicht. Auch nicht die Kolumnen der beliebtesten Läuferverletzungen aus der runners world.
Was negativ auffiel - jenes Gebilde fand sich exakt am Ende der alten Blinddarmnarbe, die immerhin seit 1964 recht gut gehalten hatte.
War die etwa an einem Ende schlecht genäht und räufelte jetzt so langsam auf??? Schlechte Aussichten für die Fortsetzung der Läuferkarriere.
Ich sah meine Zukunft in den schwärzesten Farben, während ich versuchte, mich an passende Fälle aus Dr. House zu erinnern. Alle sehr deprimierend.
Als ich dann weinend mein Läuferhöschen auspackte (vielleicht zum letzten Mal...), fiel mir plötzlich auf, dass die extrem stramme und winzige Bauchtasche dieses verdammt winzigen Läuferhöschens ziemlich genau unterhalb meiner munter vor sich hin schwärenden Problemzone positioniert war.
Der Rest- "Elementary, Watson".
Dort steckte das ganze Rennen über der Autoschlüssel - der Bart wie ein Stilett nach oben gerichtet.
Nur gut, dass es kein ganzer Marathon war. Das wäre die Eintrittskarte in ein blutleeres Zombie-Dasein gewesen.
Nun, mit der Erkenntnis und dem schwindenden Muskelkater schwindet auch die Reue und neuen Herausforderungen kann wieder keck entgegengesehen werden.
Zumal die Achillessehne, bei dem ganzen Chaos, sich nicht getraut hat, auch nur einen Mucks von sich zu geben.