Unvernunft
siegt, von Jörg 
Beim Laufcup geht es jetzt Schlag auf Schlag. Und schon war,
wie immer recht früh in der Laufsaison, der Termin für den Ückermünder
Haffmarathon herangekommen. Gleichzeitig die Landesmeisterschaft MV!
Nachdem meine bisherigen langen Kanten manchesmal zum Schluss eher den
Charakter einer Maso-Session annahmen, wollte ich diesmal alles vernünftig
machen. Überlegte mir eine Zielzeit von 3:39, teilte sie sorgfältig durch die
6 zu laufenden 7km-Runden und notierte die resultierenden Zwischenzeiten auf
der Handfläche. Alles, um nicht wieder am Anfang so besengt loszurennen und
dann vorzeitig abzufaulen.
Der Lauf begann dann schon mal sehr lustig. Bemerkend, dass ich in einem
kleinen Pulk Neubrandenburger mitschwamm, und wissend, dass mein vermutlicher
AK-Hauptkonkurrent Harald P. dort beheimatet ist, ich dessen Anblick aber
bisher nur von hinten kenne, frug ich nach demselben, und der Sportfreund genau
neben mir hob fröhlich seinen Finger.
Damit war zu vermuten, es würde kein Regenerationslauf werden.
Ein Blick auf die Lauf-Statistik (Ist-Zeiten) läßt dann auch ein dramatisches
Renngeschehen erkennen.
|
Einzel-Runden |
1. Runde |
2. Runde |
3. Runde |
4. Runde |
5. Runde |
6. Runde |
Ziel |
|
Zw-Zeiten |
36:30 |
1:13:00 |
1:49:30 |
2:26:00 |
3:02:30 |
1:49:30 |
3:39:00 |
|
AK-Landes-meister |
35:47
(25.) |
34:59
(21.) |
35:23
(22.) |
35:02
(16.) |
38:15 (16.) |
39:44
(12.) |
|
|
Vizemeister |
35:47
(26.) |
35:01
(23.) |
35:15
(21.) |
34:56
(15.) |
38:35
(17.) |
52:59
(34.) |
|
Zu Anfang war es richtig schön, mit Hilfe des Pulkes konnte der
Geschwindigkeitsrahmen einigermaßen eingehalten werden, man konnte sich gar
nett unterhalten und dabei „laufen ohne zu schnaufen“. Wie es der Hausarzt
empfiehlt.
Zu dieser Zeit musste ich mich noch bewußt ausbremsen, wäre allein viel zu
schnell gewesen. Trotzdem war der 1. HM dann 3,5 min schneller als geplant,
ohne übergroße Anstrengung. Schon ein kleines bißchen unvernünftig…
Dann aber wollte mein Konkurrent den Sack zumachen und zog davon – an dem bereits
absolvierten Pensum gemessen sehr rasant. Und ich mußte entscheiden, vernünftig
zu sein und beim Rest-Pulk und meinem Zeitplan zu bleiben oder in einer
Apokalypse der Unvernunft hinterherzuhetzen. Nun, es siegte die Unvernunft. Und
die ganze flotte 4. Runde hindurch wurde der Abstand immer größer, blieb jedoch
im kleinen Sekundenbereich, so dass mein Vordermann sich vermutlich reichlich
gehetzt fühlte.
In der 5. dann gab es schon mal einen merklichen Geschwindigkeitseinbruch, der
Abstand nahm langsam ein gefährliches Ausmaß an. Und diese ganze Runde entwickelte
sich zu einer abartigen Quälerei mit tonnenschweren Gewichten an den Füßen, so
dass ich langsam alle Hoffnung fahren ließ.
Zu meiner großen Überraschung aber waren wir beim Beginn der 6. und letzten
Runde plötzlich wieder nebeneinander. Und das verwirrte auch den dort
postierten „Mann mit dem Hammer“, der meinen Partner dort wahrhaft voll
erwischte (was ich aber erst später erfuhr), mir aber kein zusätzliches Leid
mehr zufügen konnte. Und plötzlich war ich vorn. Und die Tagessieger machten
ihr finish. Und noch etwas langsamer geworden, aber immer noch im Laufschritt,
schmiss ich jetzt alles an Reserven rein, was noch da war, da ich ständig auf
eine plötzlich von hinten heranstürmende Endspurt-Herausforderung gefasst sein
musste. Die blieb aber diesmal aus. Am Ende sprang putzigerweise trotz des
Kriechganges ziemlich exakt die angestrebte Zielzeit heraus.
Die volle Dröhnung LC-Punkte, die dabei herauskam, ganz abgesehen von der
AK-Landesmeisterschaft, zeigte sich als wahrlich wohlverdiente mit süßer
Euphorie getränkte Traube.
Zu einem hohen Preis aber. Wie erschrockene Zuschauer berichteten, war ich mit
einer Salzkruste bedeckt. Und irgendwie fehlten mir paar Kilo, die sich auf der
Strecke irgendwo verteilt hatten. Solche akrobatischen Übungen wie Umziehen und
Duschen konnte ich gleich stecken lassen.
Um zum Siegerpodest zu gelangen, musste man zunächst über eine Stufe ins
Gebäude. Immerhin satte 10cm hoch. Keine Chance ohne helfende Hand. Auf das
Podest raufzukommen wurde lieber gar nicht erst versucht. Man konnte sich ja
auch elegant draufsetzen.
Der finale Witz könnte sein: Hätte ich mich vernünftig an meinen Zeitplan
gehalten und den Zwischen“sprint“ verweigert, wäre der Einbruch am Ende
geringer ausgefallen und dadurch womöglich eine bessere Zielzeit
herausgekommen. Bei weniger Anstrengung. Das hätte aber auch für meinen weniger
gehetzten Partner gegolten und er hätte am Ende wahrscheinlich weniger
abgebaut und das Ding gewonnen.
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So schaut man in die Gegend, wenn man es gerade überstanden hat. Wer braucht da noch Dope? |
Jetzt, wo der Schmerz langsam nachlässt, wächst allmählich die
Lust auf die nächste Herausforderung
- den Schweriner Schlosslauf am 16.4.